Förderkreis Hasefriedhof - Johannisfriedhof e.V.

Berichte

Die weiße Rose auf dem Grab von Lotte Klemm

Was für eine Geschichte - anrührend und fast unglaublich! Eine Rose wandert über hunderte von Kilometern innerhalb einer Familie über Generationen von Grab zu Grab. Im Rahmen unseres Projektes, historische Rosen auf dem Hase- und Johannisfriedhof in Osnabrück anzupflanzen, wurde uns darüber von Dorothea und Dietrich Düring erzählt.

Es ist die Geschichte von 'Mme. Plantier', einer zauberhaften Alba-Rose, die ihren himmlischen Duft weit verströmt. Sie wurde bereits 1835 von Monsieur Plantier in Frankreich gezüchtet. An den stachellosen, demutsvoll überhängenden Zweigen dieser Strauchrose erscheint einmal jährlich im Juni ein weißes, schnell vergängliches Blütenmeer. 'Mme. Plantier' war wegen ihrer feierlich anmutenden Erscheinung schon früh als Friedhofsrose bekannt. Die berühmte Rosenliebhaberin Alma de l'Aigle erinnert sich an die verwilderten Friedhöfe ihrer Kindheit und beschreibt, wie "dieser unirdisch zarte rosige Hauch" der Blütenknospen, den sie "Engelsblut" nennt, sich in ein blendendes Weiß verwandelt, erstrahlend im vollkommenen Kreis der Blütenform.

Die Geschichte unserer Rose beginnt schon wenige Jahre nach ihrer Entstehung. Über zweitausend Kilometer weit von Frankreich entfernt wurde sie in Hinrichshagen in Mecklenburg auf das Grab des jüngsten Sohnes vom Pfarrer Wilhelm Prozell, dem Ururgroßvater von Dietrich Düring, gepflanzt. Der kleine Junge war nach einem Sturz beim Eislaufen an einer Gehirnerschütterung gestorben.

Seine Schwester Marie wollte viele Jahre später, 1873, mit ihrem Mann, dem Apotheker Oliver Oesterheld das ländlich geprägte Fürstenwerder in der Uckermark verlassen und in die geistig anregendere und größere Stadt Magdeburg ziehen. Ihr Mann schrieb ihr jedoch, noch nicht mit den beiden kleinen Töchtern nachzukommen, weil eine Cholera-Epedemie in Magdeburg grassierte. Tragischerweise erhielt Marie diesen Brief jedoch nicht. Sie reiste ab, infizierte sich sofort und starb innerhab weniger Stunden. Ihr Mann pflanzte in tiefer Liebe zu ihr einen Ableger der weißen Rose vom Bruder aus Hinrichshagen auf ihr Grab.

Nach dem zweiten Weltkrieg brachte Dr. Marie Winterfeldt, eine Enkelin von Marie Oesterheld, einen Ableger dieser Rose aus Magdeburg zu ihrer Cousine Lotte Klemm nach Osnabrück. Diese pflanzte ihn in ihren wundervollen und geliebten Garten - bedeutend für sie als Rückzugsort und Inspirationsquelle für ihr künstlerisches Schaffen. Vierzig Jahre lang war sie als Kunsterzieherin an der Möser-Mittelschule und als Künstlerin in Osnabrück tätig. Mit der Rose, 'Mme. Plantier' blieb die Erinnerung an ihre familiären Wurzeln in Mecklenburg und an die Gärten und Blumen ihrer Kindheit wach.

Und heute, angeregt durch unser Rosenprojekt, konnte durch die Vermittlung von Dürings, von ihrem Neffen, ein Ableger genau dieser Alba-Rose auf das Urnengrab von "Tante Lo" auf den Hasefriedhof gepflanzt werden. Wir freuen uns darüber und hoffen auf diesem Weg, noch weitere Geschichten, die von Rosen auf unseren alten Friedhöfen erzählen, zu erfahren.

Herzlichen Dank!

Elisabeth Harting (stv. Vors.)

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1. Vorsitzender: Henning Sannemann
stellvertr. Vors.: Niels Biewer



Südstr. 50
49084 Osnabrück





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Aktualisiert am: 02.09.2009 um 11:56 Uhr
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