Förderkreis Hasefriedhof - Johannisfriedhof e.V.

Berichte

Gesprächsprotokoll zur Diskussionsveranstaltung:
Perspektiven der Entwicklung der beiden Friedhöfe Hase- und Johannisfriedhof

Moderation: Herr Pfeiffer (Friedhofsverwaltung) und Matthias Rinn (1. Vors.)
10. Oktober 2006 - 18:00 Uhr - Kapelle Hasefriedhof

13 Personen haben sich für dieses Thema interessiert und sind zu der Veranstaltung gekommen. Wegen des noch warmen Herbstwetters wurden die Bänke aus der Hasefriedhofskapelle nach draußen geholt, um dort eine Diskussionsrunde zu bilden.

Friedhöfe allgemein:

Zunächst hat sich Herr Pfeiffer vorgestellt. Er ist in Osnabrück für 13 Friedhöfe zuständig, davon 11 aktive sowie Hase- und Johannisfriedhof. Außer den kommunalen Friedhöfen gibt es verschiedene kirchliche (christl. und jüd.). Nur anerkannte Glaubensgemeinschaften dürfen Friedhöfe betreiben. Die noch existierenden Privatfriedhöfe dürfen noch aus alten Rechten heraus betrieben werden. In ganz Deutschland herrscht Bestattungszwang. Auf den Osnabrücker Friedhöfen gibt es auch ein extra Feld für Muslime auf dem Waldfriedhof Dodeshaus. Auf besondere glaubensbedingte Bestattungsriten wird weitest möglich eingegangen.

Am heutigen Bismarckplatz hat es einen alten jüdischen Friedhof gegeben, der im Zuge der Bebauung auf dem Westerberg seit den 1870er auf den heutigen Johannisfriedhof transloziert worden ist.

Verschiedene Bestattungsmöglichkeiten und Grabfelder:

Auf die Frage von Matthias Rinn, wie sich die Entwicklung der Friedhöfe im Hinblick auf die immer größer werdende Individualisierung der Menschen verändert habe, antwortet Herr Pfeiffer, dass die Kommune versucht, auf die verschiedenen Wünsche der Bürgerinnen und Bürger einzugehen. Dem Wunsch, auch individuelle Bestattungsformen durchzuführen wird stattgegeben. Der Wunsch nach anonymen Bestattungsformen ist dadurch rückläufig.

Im Verhältnis zu den Erdbestattungen ist es die preiswertere Variante. Dadurch hat die Friedhofsverwaltung mehrere 100000,- € weniger Gebühreneinnahmen pro Jahr. Das erweist sich im Hinblick auf die Finanzierung der Friedhofspflege als ein großes Problem.

Graffiti:

Ein Diskussionsteilnehmer verwies auf die häufig vorkommende Verunstaltung der Grabsteine durch Graffiti. Seiner Meinung nach müsste man eigentlich von "kriminellen Schmierereien" sprechen, da Graffiti zu beschönigend sei und fast schon als Kunstgattung gilt.

Herr Pfeiffer verdeutlichte die Schwierigkeiten, mit diesem Problem umzugehen. Es sei jedoch klar, dass es sich hierbei um einen Straftatbestand handele gegen den die Polizei vorgeht. Es gab bereits mehrere Verurteilungen.

Vereinsmitglieder/innen wiesen darauf hin, dass der Förderkreis seit kurzem im engen Kontakt mit den Sicherheitskräften vom Os-Team steht, die ihre Präsenz auf beiden Friedhöfen (auch nachts) in Zukunft erhöhen werden.

Was ist 2015 für den Hase- und Johannisfriedhof vorgesehen?

Seit 1995 sind beide Friedhöfe außer Dienst gestellt. Es wird seitdem ohne Ausnahme nicht mehr dort bestattet. 2015 verlieren sie ihren Rechtscharakter als Friedhof - Sie werden entwidmet. Es nicht beabsichtigt, Bestattungen wieder zuzulassen. Beide Friedhöfe sollen als "Grünfläche mit Friedhofscharakter" ab 2015 behandelt werden.

Auf den Einwand, dass bei vielen Veranstaltungen des Förderkreises häufig der Wunsch von Osnabrücker Bürgerinnen und Bürgern formuliert wird, ihre Angehörigen wieder dort zu bestatten, wo die Familien seit Generationen schon begraben liegen, antwortet Herr Pfeiffer, dass dieses als Wunsch zwar nachvollziehbar sei, aber nicht zu realisieren sei. Den Friedhof zu aktivieren hieße, ihn wie ein Neuanlage in den Strukturen wieder aufzubauen und das ist vom Aufwand und der finanziellen Belastung für die Stadt nicht zu bewältigen. Die Flächen einer Friedhofsanlage müssen wesentlich aufwendiger gepflegt werden und eine entsprechende Infrastruktur, wie zum Beispiel öffentliche Toiletten vorgehalten werden. Als Gegenargument aus der Diskussionsrunde wurde angeführt, daß ein großer Teil der Pflege schließlich auch von den Angehörigen selbst übernommen würde.

Aus der Diskussionsrunde kam auch der Vorschlag, auf den alten Osnabrücker Friedhöfen in der Weise zu verfahren, wie es auch bei anderen historischen Friedhöfen wie z. B. in Hamburg Ohlsdorf praktiziert wird. Dort gibt es für die Grabstätten mit besonderen und/oder denkmalgeschützten Grabdenkmalen die Möglichkeit, Patenschaften zu übernehmen. Das bedeute, dass man sich dort in einem Urnengrab bestatten lassen könne, nur gekennzeichnet mit einem kleinen unscheinbaren Grabstein oder einer kleinen Namenstafel, so dass das historische Erscheinungsbild gewahrt bleibt.

Herr Pfeiffer betont nochmals, dass dieses Verfahren für Osnabrück nicht angedacht ist. Er verweist außerdem auf den rechtlichen Aspekt zu diesem Thema, weil demnach alle Rechte aus der Zwischenzeit, in der die Betroffenen auf andere Friedhöfe ausweichen mussten in Frage gestellt sind. Daraus, so die Befürchtung, würden sich Entschädigungsverpflichtungen für die Stadt in immenser Höhe ergeben. Über diesen Punkt gab es eine längere Diskussion, in der die Nachteile der Entwidmung für den Erhalt der beiden Begräbnisstätten als historisch wertvolle Friedhöfe noch einmal thematisiert wurden.

Herr Pfeiffer verwies auf das Beispiel von einem außer Dienst gestellten Friedhof in Bielefeld. Man hat ihn wieder aufleben lassen, indem so genannte "Kolumbarien" aufgestellt wurden, also Wandgräber, in denen man Urnen bestatten kann. Nicht nur in Bielefeld, sondern auch in anderen Kommunen wären die Erfahrungen damit "katastrophal". Es entstehen hohe Kosten, wobei die Einnahmen an anderer Stelle entfallen.

Sobald die Kosten für die Pflege nicht mehr den Nutzern in Rechnung gestellt werden können und Grabrechte auslaufen, gibt es Probleme, die Pflege der Grünflächen zu finanzieren. Die Stadt möchte aus betriebswirtschaftlichen Gründen die kostenaufwendigen Stützpunkte der Stadtfriedhöfe reduzieren, die im Verhältnis zur Anzahl der Bürgerinnen und Bürger zu viel Raum einnehmen.

Für die Erhaltung der alten Mauern und die Unterhaltung der Gebäude von Hase- und Johannisfriedhof wird derzeit (die grobgeschätzte Summe von) ca. 150000,- € pro Jahr ausgegeben. Die Kosten für die Grünflächenpflege, Baumpflege und die der Wege liegen bei ca. 300000,- € pro Jahr.

Nach angeregter Diskussion wurde klar, dass diese Entscheidung der Stadt nicht mehr zurückgenommen werden kann. Im Zuge der Änderung der Friedhofssatzung ist dies von der Politik noch einmal bestätigt worden.

Zukunft:

Für 2015 wird es ein Parkpflegewerk geben. Bereits vor 10 Jahren wurde schon versucht, etwas in der Art zu verwirklichen. Es ist an den Kosten des Parkpflegewerkes gescheitert. Hinzu kämen entsprechende Baukosten.

Den teilnehmenden Bürgerinnen und Bürgern war es ein Anliegen zu erfahren, was mit den einzelnen Grabstellen geschieht, wenn die Anlagen zum Park werden. Manch eine Grabstelle wird noch liebevoll von Angehörigen gepflegt, die ihre Verstorbenen damit in lebendiger Erinnerung behalten möchten.

Nach Aussage von Herrn Pfeiffer wird die Bepflanzung entfernt, die Einfassungen sollen jedoch erhalten bleiben. Einfassungen und Steine werden, so Pfeiffer, seit 15 Jahren nicht mehr entfernt. Die Stadt ist Eigentümer der Pflanzen und hat das Entscheidungsrecht zum Abräumen. Im Einzelfall scheint es zum jetzigen Zeitpunkt nach Aussagen der Teilnehmenden keine klare Entscheidungsrichtlinie zu geben. Es sei nicht immer klar zu erkennen, in welchen Fällen (Grabmale: wenn nicht mehr standfest bzw. nicht Denkmalpflegerisch geschützt) Pflanzen entfernt oder Einfassungen abgesenkt werden, damit die Pflege mit den Rasenmähern einfacher wird, wie anhand von Beispielen aufgezeigt wurde. Insgesamt stellt Herr Pfeiffer fest, dass der Schutz der Grabstellen meistens sehr wohlwollend ausgelegt wird.

Der Diskussions- und Informationsabend war insgesamt sehr aufschlussreich. Viele Fragen im Hinblick auf die Zukunft blieben jedoch offen. Für den Förderkreis Hasefriedhof-Johannisfriedhof e. V. stellt sich somit auch weiterhin die Aufgabe, im Gespräch zu diesen Themen zu bleiben und gemeinsam mit der Öffentlichkeit nach konkreten Lösungsvorschlägen zu suchen, die sowohl den Stadtfinanzen als auch dem Bedürfnis der Bürgerinnen und Bürger entgegenkommt, die Anlagen als würdevolle Orte des Totengedenkens zu bewahren.

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1. Vorsitzender: Henning Sannemann
stellvertr. Vors.: Niels Biewer



Südstr. 50
49084 Osnabrück





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Aktualisiert am: 02.09.2009 um 11:56 Uhr
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