Förderkreis Hasefriedhof - Johannisfriedhof e.V.

Berichte

Erhaltungsmaßnahmen auf dem Hasefriedhof

Auf eine Zeitreise zurück bis in die Siebziger Jahre nahm Bruno Switala am Sonntag, dem 25. September 42 Gäste auf dem Hasefriedhof. Der Förderkreis Hasefriedhof – Johannisfriedhof hatte den Leiter der städtischen Denkmalpflege eingeladen, um den vielen Interessierten die Erhaltungsmaßnahmen der letzten drei Jahrzehnte auf einer kurzweiligen Führung vorzustellen.

Switala musste gleich am Anfang feststellen, dass sich bis vor 30 Jahren kaum jemand Gedanken um die Zukunft der historischen Friedhöfe in Osnabrück gemacht habe. Grabstellen wurden mehr oder weniger von den Angehörigen gepflegt, Wege und Mauer aus den Mitteln des Friedhofamtes erhalten. Der Denkmalpfleger: „Für die Restaurierung von privaten Grabmalen gab es keine Mark!“

Erst 1976 begann langsam eine fruchtbare Kooperation zwischen dem zuständigen Grünflächenamt und der Denkmalpflege. Bescheidene Erfolge kennzeichneten diese Anfangsphase. Versuchsweise wurden erst einmal Fugen und Zwischenräume bei einzelnen Grabmalen mit neuartigen chemischen Bindemitteln verfüllt und konserviert. Würden diese Maßnahmen sich bewähren? Vier Jahre später wird das zentrale und mit schöner Pflanzensymbolik ausgestattete Wahrzeichen des Friedhofs, das Hochkreuz in der ersten Abteilung, restauriert. Schon 1986/1987 mussten ergänzende Arbeiten ausgeführt werden. Den Teilnehmern der Führung wird spätestens hier deutlich, dass „eine permanente Zuwendung notwendig und darum die Trägerschaft eines Vereins wie des Förderkreises Hasefriedhof – Johannisfriedhof wichtig ist“, wie Switala anmerkt.

Nach und nach wurden auch andere bauliche Objekte in Angriff genommen wie die repräsentative im Stil der Neorenaissance gestaltete Bedürfnisanstalt oder die wertvollen geschmiedeten Gitter, die individuelle Grabanlagen wie kleine Gärten abgrenzen. Nachdem zusätzliche finanzielle Mittel jetzt auch vermehrt aus Stiftungen zur Verfügung standen, wurde es im Zeitraum 1988 - 1991 auch möglich, mit Hilfe von ABM – Kräften Mauern und Wegabgrenzungen auszubessern. Rund eine Million D – Mark kosteten diese Maßnahmen die Stadt.

„Unauffällig, aber mit Beständigkeit wurde das Bewusstsein für die Bürger der Stadt geschärft, dass hier ein unbedingt erhaltenswerter Kulturschatz schlummert. Dabei war es in der Vergangenheit nicht selbstverständlich, auf den Friedhof zu gehen. Im Gegenteil, man pflegte eher eine gezielte Distanz zum Tod und dem dazu gehörigen letzten Ort.“ Bruno Switala weiß, wovon erspricht. Aber er appeliert eindringlich an seine Zuhörer, den Friedhof in seiner Substanz zu erhalten; denn „hier ist ein deutlicher Indikator festzustellen, wie eine Gesellschaft mit seinen Toten umgeht.“

Der Förderverein richtet seine Bemühungen auf die Sanierung der Gruftkapelle Lepenau, die 1996 zunächst erste Sicherheitsmaßnahmen erfuhr und ebenfalls eine Station der Begehung mit dem Denkmalpfleger darstellte. Wilhelm Lepenau war übrigens Direktor der ersten deutschen Erdölraffinerie in Salzbergen. Das eindrucksvolle Zeugnis aus den Anfängen des 20. Jahrhundert soll für ca. 20.000 € restauriert werden. Ein großes Interesse hat der Verein auch an der Nutzung der gerade außen und innen restaurierten Friedhofskapelle, die in ihrer achteckigen Form an die Pfalzkapelle in Aachen erinnert. Da keine eigene Möglichkeit zur Anmietung besteht, wird dringend ein interessierter und kooperativer Dauermieter gesucht, der die einmalige Ausstrahlung und Atmosphäre dieses neoromanischen Kleinods zu schätzen weiß.

Zum Schluss dieses aufschlussreichen Spaziergangs entließ Bruno Switala die beeindruckten Besucher nicht, ohne noch einmal auf die Einmaligkeit der Figuren der Eingangspfeiler des alten kommunalen Hasefriedhofes, der 2008 sein 200-jähriges Jubiläum feiern wird, hinzuweisen. Jeder Gast wird von zwei freundlichen Genien, dem Tod und dem Schlaf als antikem Zwillingspärchen mit erotischer Ausstrahlung begrüßt. Wo anders als in Osnabrück gibt es schon so etwas?

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1. Vorsitzender: Henning Sannemann
stellvertr. Vors.: Niels Biewer



Südstr. 50
49084 Osnabrück





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Aktualisiert am: 02.09.2009 um 11:56 Uhr
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